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Veranstaltungsreihe Zeitraum 19.10.-23.11.2001


„Psychotherapie & Spiritualität“

Vorwort zu unserer Reihe 

Mithilfe der Psychoanalyse und Psychotherapie hat der Mensch sich in den vergangenen Jahrzehnten auf eine besondere Weise mit seiner Psyche, mit seiner Seele, mit seinen Krankheiten und deren Ursachen auseinandergesetzt.
Die Psyche, das individuelle sowie das kollektive Unterbewußtsein , Verdrängungsmechanismen, Ersatz- Ausgleichshandlungen, Schuldprojektionen, Kontroll- und Rückzugsverhalten sind gesellschaftliche Themen geworden. (Grundlagen für ein größeres, geist-seelisches Menschenverständnis sind also prinzipiell  gelegt!)
Welche Rolle in der psychischen Gesundheit aber spielt die Spiritualität?
Inwiefern lassen sich die verschiedensten Bedrängnisse aus bewußten und unbewußten Glauben und Nichtglauben an eine höhere Ordnung ableiten!?

Mit der vorliegenden Reihe möchten wir uns dem Thema von den verschiedensten Seiten her nähern.
Kurzüberblick:
 In „Wendezeit“ werden wir Zeuge des Wertewandels; weg vom mechanischen hin zum holistischen Weltbild.
„Breaking the waves“ zeigt das Drama einer Frau, die umgeben ist von  dogmatischer Scheinreligiösität. 
In „Broken Silence“ hingegen kommt ein Katäusermönch durch eine Afroamerikanerin  zum Überdenken seiner Standpunke.
Der vielfach ausgezeichnete Film „Warum Bodhi Dharma in den Orient aufbrach“ führt uns mit herrlichen Bildern in die Spiritualität des Zen Buddhismus. In „Nostalghia“ erleben wir einen Menschen, der erkenntnisreich und illusionslos an einer inneren Grenze angelangt, um spirituelles Leben als den letzten Ausweg aus der Sinnlosigkeit des Materialismus der modernen Zeit ringt. 
Auch den „Vater der Selbstbeobachtung“ (Pschoanalyse) Sigmund Freud sehen in wir dem gleichnamigen US-Spielfilm von John Huston. Margarethe Tesch wird einen Vortrag halten über ein außergewöhnliches Unterrichtsbuch spiritueller Psychotherapie, genannt „Ein Kurs in Wundern“. 
Dr. Thomas Schmidt hält einen Vortragsabend, der dem Begründer der Anthroposophie (Menschenweisheit)
Rudolf Steiner gewidmet ist. Karola Korte gestaltet den letzten Vortragsabend mit dem Thema „Weißt Du wer Du bist“
Ebenfalls werden für die Dauer der Reihe Bilder von Karola Korte im Foyer der Filmkunstheater ausgestellt sein.
Nach den Vorträgen werden wir Büchertische im Foyer sowie unser filo-café auf der Galerie eröffnen.
Wir freuen uns auf gesellige Abende und wünschen allen Beteiligten den „vorurteilsfreien Blick“ , der damals wie heute immer der Schlüssel zu großen Erfahrungen ist.


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Thematische Ebenen:
1.  Ursachen seelischer Not
  -  Verzweiflung an den Hauptströmungen der Gesellschaft
  -  Organisierte Täuschung + Irreführung  durch div. machtstrebende Interessengruppen
  -   Die Suche nach universellen ethisch-geistigen Werten 
2.  Betrachtung der Alternativen; der gesellschaftlichen Neben- Unter- und Überströmungen
   - Therapie, Philosophie, Anthroposophie, Ganzheitliches Menschenbild
   - Ichzentrales  und universelles integratives Selbstbild (Erforschung von Psyche&Geist)
3. Überwindung der ungemäßen Verhaltensmuster und Institutionen, Vorurteile und Gegenströmungen.
   In Dialog treten.. Verständnis umsetzen, neue Räume schaffen, Integration, ganzheitliches Bewußtsein vorleben & vermitteln.

 Veranstaltungen der Reihe - Termineübersicht
  jeweils 20.00h

Fr.19.10. Film mit Einführung „WARUM BODHI DHARMA IN DEN ORIENT ZOG“ Referent: Oliver Groteheide ( Spirituelles Weltverständis, östliche Philosophie, Zen Buddhismus)

Di. 23.10. Film mit Einführung + filocafé „FREUD“ (gleichnamiger US Spielfilm) Referent: Dr. Uwe Gonter (Westf. Klinik f.Psychiatrie GT)

Do. 25.10. Film mit Einführung + filocafé „WITTGENSTEIN“ Referent: Markus Schäfertomvasen. (Empirismus, Sprache, Wahrheit, Gewissheit, Glaube)

Di. 30.10. Film mit Einführung  „NOSTALGHIA“ Referent: Oliver Groteheide  Regie: A.Tarkowskij Filmkünstler von Weltrang und vielleicht der größte spirituelle Filmregisseur. (Suche nach Sinn und Geist in einer materialistischen Zeit.)

Fr. 2.11. Film mit Einführung   „WENDEZEIT“ Referent:   Oliver Groteheide 
(vernetztes Weltbild, Ethik, Vision gesellschaftlichen Wertewandels, Dialog zwischen Poesie, neue Physik und Politik/Soziologie.

Di. 6.11.  Vortag mit Büchertisch + filocafé  "RUDOLF STEINER & ANTHROPOSOPHIE"  Referent: Dr. Thomas Schmidt

Fr. 9.11.  Vortag mit Büchertisch + filocafé  „EIN KURS IN WUNDERN" Referentin: Margarethe Tesch (Lehrsystem, dass geistige, spirituelle Einsichten vermittelt durch die meisterhafte Synthese der christlich- gnostischen Lehren mit der  Psychotherapie .

Di. 13.11. Film mit Einführung + filocafé „BROKEN SILENCE“ Referentin: Margit Groteheide (Regie: Wolfgang Panzer. Ein  Schweizer Kartäusermönchs, der auf seiner Reise druch Indien eine Afroamerikanernin kennenlernt, die sein Wertesystem durcheinanderwirbelt. Der Film spricht zahlreiche geistige und weltliche (Existenz) Fragen an.)

Di. 20.11. Film mit Einführung “BREAKING THE WAVES“ Referent: Detlef Clever( Regie: Lars von Trier. Eine junge Frau glaubt das ihre sonderbare Religiosität ihren kranken Mann heilen kann. Sie verstrickt sich immer tiefer in eine Welt, die sie nicht versteht. Exkommuniziert und verbannt verläßt sie sich dennoch auf ihren Glauben. 

Fr. 23.11. Vortrag mit filocafé “Weißt Du wer Du bist“ Referentin: Karola Korte.

Anfang Oktober bis Ende November: „Bilder von Karola Korte“ Ausstellung im Foyer der Filmkunstkinos
Weiteres Material zu Reihe, Literaturhinweise, philosophische Links, etc.   www filasofia.de
 

Ausführliche Inhaltsangaben + Portraits einiger Persönlichkeiten

„WARUM BODHI DHARMA IN DEN ORIENT ZOG“
Südkorea 1991, 137 Min. Regie:Yong-Kyun Bae. Ausgezeichnet mit dem GOLDENEN LEOPARD Filmfestspiele Locarno.
Ein außergewöhnlicher Film mit einer außergewöhnlichen Entstehung. Es ist nicht einfach, einen Film in Worte zu fassen, der auf Zen-Prinzipien aufgebaut nach dem Wesen der Dinge sucht, einFilm voller Geheimnisse, ein Werk von bezaubernder Schönheit, das uns langsam und selbstverständlich zur inneren Suche nach dem Wesen des Selbst führt. Doch zuerst in kurzen Zügen die Handlung der Geschichte: In einer kleinen Einsiedelei lebt ein alter Zen Meister in strenger Askese. Zwei Schüler, ein junger Mönch und ein Kind, versuchen, sein Wissen zu ergründen. Doch schon bald erfährt das Kind, was Leben bedeutet. Auf seinem Streifzug durch die üppige Natur kommt es mit dem Tod, der Angst, der Unsicherheit, der Zuneigung und der Schönheit in Berührung...
“Es ist nicht einfach, den Regisseur eines solchen Films zu seinem Werk zu befragen. Wenn er sagt, ein Teil der Beweggründe seines eigenen Werkes würde ihm entgehen, dann meint er das ohne falsche Bescheidenheit. Eines aber ist sicher, er wollte keinen religösen Film über den Zen-Buddhismus machen, sondern einen universalen. Oder aber, wenn religös, dann universal religiös.” LE QUOTIDIEN DE PARIS
“..vollkommene Schönheit...Poesie...Imagination... Träume... ein bildhaftes Werk über die Zeit des Lebens und die Zeit des Sterbens, die Zeit des Liebens und des Staunens, des Wissens woher man kommt, um zu wissen, wohin man geht....AURORE BUSSER


„FREUD“
Di. 23.10. 20.00h Einführung: Dr. Uwe Gonter (Psychiater & Psychotherapeut an der Westfälischen Klinik GT)
USA 1963, 121 Min, 16mm, Regie: John Huston, D.:Montgomery Clift
“Freud” ist keine Biographie, sondern zeigt die fünf entscheidensten Jahr in Freuds Leben, angefangen bei seinem Entschluß, seine Karriere als Neurologe aufzugeben, damit er sich ausschließlich mit seinen Theorien über die Tätigkeit des Unbewußten beschäftigen konnte.”Wir haben uns zwar strikt an die wissenschaftlichen Tatsachen seiner Erkenntnisse gehalten, doch ist die Gestalt Cecily Koertners frei erfunden.Diese Figur vereinigt in sich mehrere berühmte Fälle des Gründers der Psychoanalyse. Wir wollten bei der Verfilmung aber auch der Allgemeinverständlichkeit Rechnung tragen. Dies war nicht leicht und die Versuchung, alles zu vereinfachen war groß. Dauernd liefen wir Gefahr, fertige Antworden zu servieren.”
Das ursprüngliche Manuskript betrug 1200 Seiten und wurde von Jean Paul Sartre verfaßt. Heute beschäftigt sich der Mensch mehr als zuvor mit dem Ich. Man lebt in der sogenannten Wohlstandsgesellschaft, aber die Lebensangst ist größer als zuvor. Ich glaube, daß “Freud” den Zuschaueren einen Einblick in ihr eigenes Unterbewußtsein vermittelt, der möglichweise einen Hinweiß, zumindestens aber eine Richtung andeutet, in der die Erklärung der Lebensangst zu finden ist. Die Zuschauer mögen erkennen, daß ihre verborgenen Motive oder Begierden dafür verantwortlich sein können, daß sie unglücklich und furchtsam sind 

Portrait
Sigmund Freud
(1856 - 1939)
In Zusammenarbeit mit J. Breuer entwicklete er ein Verfahren zu Heilung seelischer Erkrankungen durch “Abreaktion” verdrängter traumatischer Erfahrungen und den ersten Ansatz der von ihm dann entwickelten PSYCHOANALYSE, mit der er trotz vielfacher Anfeindungen weltweiten Einfluß auf die Entwicklung der psychotherapeutischen Behandlung gewann. Freud behandelte auch Probleme der Mythologie, der Völkerkunde, der Religionswissenschaften sowie der Ästhetik. Seine Wirkung erstreckte sich auf weite Gebiete des Geisteslebens, besonders der Philosophie, Literatur und Kunst.


„WITTGENSTEIN“
Do. 25.10. 20.00h Einführung Markus Schäfertomwasen
England 1992, 72 Min. Regie Derek Jarman
Eine komödiantische Einführung in Leben und Werk des österreichischen Philosophen. Ludwig Wittgensteins wesentliche Sätze und Problemstellungen werden allgemeinverständlich in Spielhandlungen gleichsam vorexerziert. Die ausgefeilten Tableaus entwickeln sich zur heiteren, dialogsicheren, hervorragend gespielten Gesamtschau auf das Leben eines philosophsichen Außenseiters, mit der Derek Jarman einer “verwandten Seele” ein Denkmal setzt.

Portrait
Ludwig Wittgenstein 
(1889 - 1951)
(»Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen”) Wo vielen Philosophen heute nachgesagt wird, eigentlich keine Biographie zu haben, wartet Wittgenstein mit einem außergewöhnlichen, abwechslungsreichen, schwierigem Leben auf.       („Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache”.)
Aufgewachsen als Kind schwerreicher Stahlmagnaten, in deren Haus die künstlerische, geistige Elite Wiens verkehrte, entschied sich Wittgenstein für das Studium der Ingenieurswissenschaft in Camebridge, wo der Sprachlogiker und Physiker Russel ihn philosphischen Problemen aussetzte.
 („Haben die Philosophen bisher immer nur Unsinn geredet?”)
In Norwegen baute er sich als früher Aussteiger eine Blockhütte an einem Fjord und hatte viel Zeit, die philosophische Welt aus den Angeln zu heben.
(„Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen”)
(„Und Andere haben Begriffe, die unsere Begriffe durchschneiden”)
Freiwillig in den ersten Weltkrieg gemeldet, kehrte Wittgenstein mit seinem ersten Hauptwerk zurück, dem „Tractatus Logico-Philosophicus”: Hiermit beanspruchte er, alle philosophischen Probleme endgültig gelöst zu haben, allein durch eine logische Analyse der Sprache.(“Und alle Weisheit der Welt gerinnt zu einem kleinen Tropfen Sprachphilosophie”/”Die Welt ist, was der Fall ist”)
Nach dem Krieg durch Urchristliche Gedanken inspiriert, verschenkte er sein Vermögen, trat für sieben Jahre eine Stelle als Lehrer in einem kleinen österreichischen Dorf an, verlor die Stelle aber später und schlug sich als Gärtnergehilfe durch.
(“Der Philosoph behandelt ein Problem wie der Arzt eine Krankheit”) 
Später entwarf er ein Haus für seine Schwester, widmete sich wieder der Philosophie, kehrte nach Camebridge zurück, war im 2. Weltkrieg Sanitäter und zog sich 1947 zurück nach Irland.
 („Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt”)
(„Es gibt aber musikalisch Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mythische”)
Sein bedeutendstes Werk, die „Philosophischen Untersuchungen”, erschienen posthum: Möglichkeiten, Grenzen, Wesen der Sprache und des Denkens in kurzen Abschnitten, Aphorismen, Fragespielen und Beispielen zu erschließen. 
( “Nur wenn man noch viel verrückter als die Philosophen denkt, kann man ihre
Probleme lösen”) Neben Heidegger gilt Wittgenstein als der einflußreichste Denker des 20. Jahrhunderts, Mitbegründer der „analytischen Philosophie”, der Sprachphilosoph schlechthin.


„NOSTALGHIA“
Italien/Russland 1984, 130 Min. Regie: Andrej Tarkowskij.
Der russiche Regisseur Andrej Tarkowskij war für Ingmar Bergmann der größte Filmkünstler der heutigen Zeit. Nicht nur inhaltlich haben seine Filme eine ungemeine Dichte, ebenso erreicht die Kunst der Photografie seine Vollendung. Niemand hat es verstanden wie er, Elemente wie Feuer und Wasser, Naturschauplätze, Träume, innere Bilder und alltägliche Details in einer Weise abzubilden, die den tieferen Geist der Dinge gleichsam unmerklich mitübertragen, ohne dabei die Realität irgendwie zu verfremden.
Gortschakow, die Hauptfigur des bekanntesten Tarkowskij Films, der in Italien an einer Biografie eines Komponisten arbeitet, ist ein Mensch, der in mehrfacher Hinsicht heimatlos ist. Er ist ein Mensch, der erkenntnisreich und illusionslos an einer inneren Grenze angelangt um spirituelles Leben als den letzten Ausweg aus der Sinnlosigkeit, den Abgrund einer im materialistischen Untergang begriffenden Welt ringt. Seine Begegnung mit Domeniko, einem “Irren”, der nicht nur seine Familie, sondern die ganze Welt retten will, entfacht etwas in seiner Seele. Und zwar jene “unbegründete Hoffnung”, die am Ende des Films in den vielleicht schönsten Bilder der Filmgeschichte Gestalt annimmt  in einer scheinbar sinnlosen Tat: Gortschakow, gesundheitlich stark anschlagen, durchschreitet das Becken mit einer brennenden Kerze in der Hand, die er wieder und wieder vor dem Erlöschen schützt und die er mit  letzter Kraft auf den Rand des  anderen Ufers befestigt. Das sind unvergleichliche Bilder für die Sehnsucht nach tiefsten Glauben.

Portrait
Andrej Tarkowskij
(1932 -1986) 
Andrej Tarkowskij, der filmische Vermittler von "Wahrheit",  glaubte an die Seele. Kunst war für ihn eine "Hieroglyphe der ewigen Wahrheit" und der Künstler der Diener dieser Wahrheit mit den Möglichkeiten seiner Kunst. 
Das Kunstwerk sei nicht etwas für den Konsumenten, sondern für den Rezipienten. Im Dunkel des Kinosaals ist der kontemplative Betrachter, der sich dem Film hingibt wie einer Meditation, der einzig richtige. Tarkowskij drehte keine Fertigprodukte, vor die man sich hinsetzt und dann wird einem mit Bildern gezeigt und durch Worte und Klänge gesagt, was man zu fühlen und zu denken hat. Der Tarkowskijsche Film will weniger den Sinnen einen Genuß bereiten und den Verstand beschäftigen, befriedigen oder ihm gar diktieren, als vielmehr durch die Sinne, am Verstand vorbei, auf die Seele einwirken. Dazu bedarf es eines besonderen Zuschauers. Derjenige, der künstlerisch schafft und derjenige, der sich an dieser Kunst orientiert, ist ein Mensch, der, wenn er schon nicht eine Antwort auf die mittlerweile belächelte Frage nach "dem Sinn des Lebens" finden kann, sich zumindest dieser Frage aussetzen will, immer wieder aufs Neue.Der Mann, der die Aussagekraft des japanischen Haiku liebte und der sich der Literatur widmete, wie sich ein Dürstender der Wüste widmet, glaubte tatsächlich, daß das Leben mehr sei als Glück und Erfolg; er sagte; im Leben käme es darauf an zu erkennen. 
Und von den zwei Arten der Erkenntnis, die für ihn existierten, war ihm die Logikbestimmte, wissenschaftliche weniger wichtig als die emotional, ästhetische der Kunst, die für ihn nicht nur aus Gefühl und Schönheit bestand, sondern auch aus Wahrheit und Glauben. (Weiterführende Literatur: DIE VERSIEGELTE ZEIT von Andrej Tarkowskij)

„BROKEN SILENCE“
Schweiz 1996. Produzent, Regie und Buch: Wolfgang Panzer. Darsteller: Martin Huber, Ammenah Kaplan, Michael Moriarty.
Der Schweizer Kartäusermönch Fried hat 25 Jahre schweigend und meditierend in einem Kloster verbracht. Dann wird er mit der Aufgabe betraut, nach Indonesien zu reisen, um dort die Besitzerin des Klosters zu suchen, damit der Pachtvertrag verlängert werden kann. Es beginnt für ihn eine abenteuerliche Odyssee quer durch Indien, auf der ihn die junge Afroamerikanerin Ashaela begleitet. Thematisch wie formal (Mini-Team, Video-Ausrüstung, fragmentarisches Drehbuch) außergewöhlich umschreibt “Broken Silence” die Stationen einer Reise, die mehr ist als die Suche nach einer vermißten Person. In immer intensiver werdenden Gesprächen erweisen sich die beiden als Wesensver-   wandte: Beide suchen auf ihre Weise nach einem Sinn in ihrem Dasein, nach Klarheit und Ruhe. Mühelos und wie selbstverständlich öffnet sich Wolfgang Panzers Film für geistige wie weltliche (Existenz-)Fragen ohne trennende Mauern, ohne Berührungsängste, ohne Vorurteile.

„WENDEZEIT“
USA 1991, 105 Min. Regie: Bernd Capra, Darsteller: Liv Ullmann, Sam Waterson, John Heard. 
Bei dem Film "Wendezeit" handelt es sich um die Verfilmung des Buches "Turning Point" bzw. "Mindwalk" vom Fritjof Capra. Das 1983 erschienene Buch stand 14 Monate auf der deutschen Bestsellerliste. Seine lebensmutigen und geistvollen Impulse faszinierten über 300.000 Leser.
Höchst bemerkenswert ist vor allem, daß viele der enthaltenen  Aussagen sich  exakt gleichen mit philosophischen Weisheitslehren, die breits seit tausenden von Jahren existieren.
Einige dieser Lehrsätze sind z.B.:
>Die Beobachtung verändert das jeweilig Beobachtete. Es gibt also keine Neutralität; pure Anwesenheit hat Auswirkungen. 
>Die Materie wird als lebendig und intelligent, als "auf uns reagierend” erkannt. 
>Die Vorstellung eines gegenständlichen Universums, bestehend aus scharf von einander abgegrenzten Einzelteilen, wird als Täuschung der Sinne bezeichnet.
Die hieraus resultierende Sichtweise unterscheidet sich natürlich stark von den landläufigen, allgemeinen Vorstellungen.
Der Film veranschaulicht, für jeden verständlich, die von Newton und Descartes überkomme mechanische Weltanschauung und führt dann hin zu einem holistischen (ganzheitlichen) Weltverständnis. Es zeichnet sich deutlich ab, das viele induviduelle und globale Probleme ihrer nachhaltigen Lösung entgegengehen werden, wenn es gelingt, das Denken des Menschen aus den festgefahrenen Bahnen zu befreien. Eine ganzheitliches vorurteilsfreies Wahrnehmen ist der wahre Aufbruch zum wesensgemäßen Leben.
Portrait
Fritjof Capra  geb 1.2.1939 in Wien, ist Physiker und Gründer des Elmwood Institutes , welches sich mit den Zusammenhängen von Ökologie
und Naturwissenschaften befaßt.
Ausgehend von der modernen Physik formulierte Capra eine besondere Sichtweise der Wirklichkeit. Er führt die aktuellen Probleme der Menschheit zurück auf das, was er die "KRISE DER WAHRNEHMUNG" nennt.
Naturzerstörung, soziale und individuelle Zerrüttung werden als Folgen eines fundamental falschen Realitätverständnisses verstanden. Capra überträgt die Erkenntnisse der Wissenschaft auf das menschliche Dasein.

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„EIN KURS IN WUNDERN"
Das 1300 Seiten umfassende Werk Ein Kurs in Wundern (A Course in Miracles) erschien 1976 in den USA, die deutsche Übersetzung 1994 im Greuthof-Verlag. Der Kurs verbindet auf einzigartige Weise Psychologie mit einer non-dualistischen Spiritualität. Er lehrt, Menschen und Situationen, die schwierig erscheinen, zunehmend friedlicher und gelassener zu sehen. Das Wunder bezeichnet kein äußeres Phänomen, sondern eine Veränderung der Wahrnehmung von der jeweiligen Situation.
Der Kurs leitet an, die inneren Schranken, die Menschen aus Ängsten, Schuld- und Angriffsdenken vor der Liebe in sich selbst errichtet haben, ohne Urteil anzuschauen und durch Vergebung aufzulösen. Er vergleicht unsere Existenz in dieser Welt mit einem Traum und hilft uns, daraus aufzuwachen.
Ein Kurs in Wundern ist nicht als Grundlage für eine neue Religion, Bewegung oder Vereinigung gedacht. Vielmehr hilft er, im Selbststudium und unabhängig von äußeren Autoritäten den eigenen inneren LEHRER in sich selbst zu finden.
Margarethe Tesch
Margarethe Tesch, Hamburg, Jahrgang 1955, hat Sprachen und Geschichte studiert. Sie ist eine der beiden Übersetzerinnen des Kurses ins Deutsche. Von 1984 bis 1994 arbeitete sie an dieser Aufgabe mit. Im Zuge der Übersetzung hat sie sich mit dem Gedankengut des Kurses theoretisch und praktisch eingehend auseinandergesetzt.
Sie ist Schülerin des amerikanischen Kurslehrers und Therapeuten Dr. Kenneth Wapnick, Leiter der Foundation for A Course in Miracles, dem sie fundamentale Einsichten in das Denken des Kurses und große Verständnishilfen verdankt.
Seit 1988 hält Margarethe Tesch Vorträge und Seminare zu Ein Kurs in Wundern in verschiedenen deutschen Städten und leitet fortlaufende Gruppen zum Kurs.
Zum Vortrag:
Der Kurs lehrt, daß die Konflikte, die ein Mensch mit sich selbst und anderen hat, auf einen unbewussten, geistigen Urkonflikt zurückzuführen sind: den Glauben, sich von Gott, der Quelle seines Seins und der Liebe, getrennt zu haben. Mit diesem illusionären Denken, das im Kurs als Ego bezeichnet wird, kommt jeder bereits auf die Welt. Die Folge davon ist eine Art geistige Dunkelheit: ein von Einsamkeit, Verletzlichkeit, Mangel und Schuldgefühlen geprägtes Selbstbild. 
Gleichzeitig gibt es in jedem Menschen aber auch eine heilende Korrektur dieses Denkens in Form einer - und sei es noch so schwachen - Erinnerung, daß die Liebe lebt und eine Trennung von ihr undenkbar ist.
Im Sinne des Kurses müssen sich die Heilungsbemühungen darauf richten, zu dieser inneren Präsenz des Lichts wieder Zugang zu finden und sie als die eigentliche Identität zu akzeptieren. Das ist ein immenser Prozess, der in Beziehungen zu anderen Menschen Ausdruck findet und im Kurs mit dem Begriff Vergebung bezeichnet wird. Der im Kurs gewiesene Weg besteht darin, die Hindernisse, die sich diesem Prozess in den Weg stellen, ruhig anzuschauen und sie durch das urteilslose Schauen nach und nach loszulassen. 

“BREAKING THE WAVES“
Dänemark 1996, 158 Min, Regie: Lars von Trier
Mit "BREAKING THE WAVES" schuf Lars von Trier 1996 einen Film, den man als "spirituelles Psychodrama" bezeichnen könnte. Es geht um eine junge Frau namens Bess, die in einem kleinen Dorf an der schottischen Küste lebt. Hier herrschen noch sehr strenge religiöse Sitten und Gebräuche, denen sich Bess aber nicht anpassen will und kann, obwohl sie sehr fromm ist. Doch mit ihrer natürlichen Unbefangenheit stößt sie immer wieder auf Mißtrauen und Anfeindungen in ihrem sozialen Umfeld. Sie heiratet Lars, für den sie sich in bedingungsloser Hingabe aufopfert. Als er einen schweren Unfall hat und ans Bett gefesselt ist, gerät sie in eine psychische Krise, die sich permanent zuspitzt...
"Breaking the Waves" macht eindringlich den Gegensatz deutlich zwischen einer falschen, künstlichen Spiritualität, die durch die religiösen Zwänge und überholten Dogmen von Kirche und Gesellschaft erzeugt wurde, und einer wahrhaftigen, echten Spiritualität, die sich ein Mensch auf individuelle Weise selbst sucht und erschafft und in der wirkliche Liebe einen zentralen Platz einnimmt. Zugleich wird bewußt gemacht, daß gerade ein psychisch labiler Mensch scheitern muß in einer intoleranten Umwelt, die eben gerade jene Individualität nicht zuläßt und erstickt.
Lars von Trier sagt zu seiner Hauptfigur: "Bess will eigentlich nur Gutes tun. Unerschütterlich glaubt sie an die alles umfassende Liebe. Doch sie nimmt alles zu wörtlich, ist unfähig zur Lüge und läuft dadurch immer wieder ungeschützt ins Messer, wird zum Freiwild für andere. Sie hat keinen Zugang zur Welt der Symbole, Abstraktionen und Regeln, zerbricht an einer Welt, die sie nicht versteht. Trotzdem ist sie für mich kein Opfer, sondern eine Heldin." 

Lars von Trier  gehört schon lange zu den großen Provokateuren des europäischen Kinos. Bekannt wurde er 1984 mit dem Kultfilm "Element of Crime", und danach verblüffte er immer wieder mit völlig unterschiedlichen Werken wie "Europa" oder "Idioten". Er ist Mitbegründer des "Dogma-Manifests" von 1995, das eine Art "technische Rückbesinnung des Kinos" beinhaltet, d.h., auf künstliche Hilfsmittel wie z.B. Studiolicht oder Nachsynchronisation konsequent zu verzichten. Für seinen bisher letzten Film "Dancer in the Dark" erhielt er die "Goldene Palme" von Cannes 2000.

"RUDOLF STEINER & ANTHROPOSOPHIE" 
Rudolf Steiner (1861 - 1925) ist vor allem als Schöpfer der “Antrhropo- sophie" und Gründer der Waldorf- schulen und manch anderer Einrich-    tung im sozialen Leben bekannt. Wer aber war dieser Steiner wirklich - nicht als geschichtliche Person vor hundert Jahren, sondern als jemand, dessen Lebensweg mit seinen inneren Kämpfen für uns heute bei der selbständigen Gestaltung unserer Biographie noch wichtig sein kann. 
Es werden vor allem drei Aspekte in Steiners Leben betrachtet:
Fremdheit und Schmerz.
Was bedeutet es, als Kind, dem schon früh übersinnliche Erlebnissen fast realer sind als Sinneswahrnehmungen, in ärmlichste Verhältnisse hineingeboren zu werden, die von der inneren Entwurzelung und äußeren Heimatlosigkeit der beginnenden technischen Zivilisation geprägt sind? 
Einheit von Welt und Persönlichkeit. Wie kann man in einer Welt, die zunächst nur ein Gegensatz zum eigenen, reichen Innern ist, zu sich selbst kommen ohne in innere Isolation zu verfallen? 
Auf Fragen warten. Was bedeutet die Erkenntnis, dass gerade spirituelle Ideen  fragendes Interesse anderer Menschen bedürfen, um in der Welt sozial wirksam werden zu können? 
Die Aussprache soll vor allem der Bedeutung dieser drei Grund-Fragen nicht nur für Steiner, sondern im Leben unserer Gegenwart dienen.
Thomas Schmidt , geb. 1934, humanistisches Gymnasium, Astrophysiker und Privatdozent in Heidelberg, seit 1974 Waldorflehrer in Frankfurt, 1984 -1999 in Bielefeld, jetzt im Ruhestand.

“Weißt Du wer Du bist“
Wer hat sich diese Frage noch nicht gestellt.
Was Du äußerlich darstellst, sehe Ich mit meinen Augen - wenn ich Dich ansehe.
Welche Leistungen Du erbracht hast, bringst und noch bringen wirst, wissen die Menschen um Dich herum - oder auch nicht.
Was Du fühlst, wissen die Menschen, die Dir sehr nahe sind - oder auch nicht.
Wer könnte also Deiner Meinung nach wissen - wer Du bist?
Kannst Du Dich mit Deinen eigenen Augen ansehen?
Kannst Du Dir mit Deinen eigenen Ohren zuhören?
Kannst Du in Deinem eigenen Herz Dich selbst erkennen?
Wenn Du diese Dinge kannst, dann hast Du sicherlich eine Ahnung von dem -
wer du bist!
Wenn Du diese Dinge noch nicht kannst, sagen Dir die Anderen - wer Du bist!
Wenn Du für diese Dinge noch keine Zeit hattest, trag Dich doch einfach mal in Deinen Terminkalender ein.
 
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